Sommertipps für Hunde: Was wirklich hilft und welche gut gemeinten Ratschläge problematisch sein können
Nicht jeder Hund leidet gleich stark unter den sommerlichen Temperaturen. Es gibt sogar einige Hunde, die Sommerhitze und Temperaturen über 30 Grad total gut wegstecken.
Wie Hunde mit der Sommerhitze umgehen hängt von Alter, Gesundheitszustand, Fellstruktur, Herkunft und Genetik, Körpergewicht und ihrem Aktivitätsniveau ab.
So absurd das erstmal klingen mag: Ein Huskymix kann bei 25 °C happy eine Bergtour mitmachen, während die französische Bulldogge durch eine kurze Pipirunde schon ernsthaft belastet ist.
Sinnvolle Maßnahmen
Schatten und Rückzugsmöglichkeiten anbieten
Gut, aber:
Nicht jeder Hund möchte dauerhaft im Schatten liegen. Viele wechseln selbstständig zwischen Sonne und Schatten. Überdenke gerne auch mal die angebotenen Liegeplätze. Das flauschige Lieblingskörbchen für den Winter ist jetzt vielen Hunden zu warm.
Ich finde das besonders dann wichtig, wenn du deinen Hunden bewusst auf einen festen Platz schickst: Achte darauf, dass dieser den Umgebungstemperaturen und den Bedürfnissen deines Hundes so angepasst ist, dass er sich dort wohlfühlen kann und die sommerlichen Temperaturen dort gut aushält.
Manche Hunde verkümeln sich im Sommer auch mal an Stellen, die sonst nicht so geeignet sind: Der dunkle, kühl gefließte Flur, ein Kellerraum oder genau das Gegenteil: Auf die Terrasse mitten in die Sonne. Solange dein Hund an diesen Stellen vor allem ruht und nicht (nach wochenlangem Training) doch wieder die Wohnungstür zu verteidigen, spricht da nichts dagegen. Die meisten Hunde wählen intuitiv geeignete Plätze.
Aktivität anpassen
Lege, wenn möglich, größere Spaziergänge auf morgens und abends.
Wichtig:
Nicht jeder Hund muss im Sommer „geschont“ werden. Trainierte Hunde können durchaus aktiv bleiben, wenn Belastung und Temperatur zusammenpassen. Ich persönlich halte wenig von der allgemeinen Panik, die auszubrechen scheint, sobald es Sommer wird: Nicht jeder Hund profitiert davon, wenn er im Sommer zur Passivität verdammt wird.
Damit meine ich allerdings auch nicht, dass ausgerechnet jetzt die richtige Jahreszeit dafür ist, einen neuen Sport mit deinem Hund auszuprobieren, mit dem du in den letzten Monaten nur normale Spaziergänge gemacht hast. Dann mach bitte auch jetzt „nur“ normale Spaziergänge. Hunde, die das ganze Jahr hinweg sportlich aktiv sind, dürfen das angepasst weiterhin sein.
Wasser anbieten
Selbstverständlich.
Aber:
Nicht jeder Hund trinkt unterwegs viel. Wenn ich finde, dass einer meiner Hunde mehr trinken sollte, dann gebe ich einen Löffel Hüttenkäse ins Wasser.
Wieviel sollte ein Hund täglich trinken?
Als Richtwert gilt: 40 -70 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht am Tag (24 Stunden)



Kühlmöglichkeiten anbieten
Wasserstellen, Bachläufe, gekühlte Liegeflächen, nasse Handtücher, Kühlmatten, generell kühle Untergründe.
Wichtig: „Anbieten“ bedeutet, dass dein Hund immer eine Ausweichmöglichkeit haben sollte. Manche Hunde mögen Kühlmatten überhaupt nicht.
Kühlwesten und andere Kühlprodukte, die dauerhaft kühlen und dem Hund angezogen werden, sind meiner Meinung nach nur in Einzelfällen geeignet, da die Hunde sich dem Kühleffekt nicht entziehen können. Außerdem finde ich es fraglich, ob dann nicht lieber auf Anstrengung und Aktivität verzichtet werden sollte, wenn der Hund währenddessen eine Kühlweste tragen muss und eine Kühlmatte besser geeignet wäre.
Achte auf heißen Asphalt
Teste die Temperatur mit dem Handrücken. Ist es für dich zu heiß, ist es dies meist auch für die Hundepfoten.
Man kann hier nicht pauschal von einer Außentemperatur auf die Oberflächentemperatur schließen, da Asphalt unterschiedlich heiß wird. Also immer testen, wenn du unsicher bist.
Hunde haben ganz unterschiedlich robuste Pfotenballen. Die Erfahrung musste ich auch schon machen und auf die Pfotenempfindlichkeit meiner Hunde bei gleicher Belastung ganz unterschiedlich achten
Vorsicht bei Booties und Hundeschuhen!
Booties sind eine gute Idee. besonders, wenn du mit deinem Hund längere Strecken auf heißem Asphalt oder Teer gehen musst. Aber Achtung: Manchmal werden Hudneschuhe empfohlen, die absolut ungeeignet sind und den Hundepfoten eher schaden.
Hundeschule mit festerer Sohle sind wirklich nur zu empfehlen, wenn sie exakt zur Pfote deines Hundes passen und deinen Hund beim Laufen nicht behindern aber gleichzeitig so groß sind, dass sich die Zehen deines Hundes IM Schuh komplett ausdehnen können. Andernfalls entstehen extrem schnell Druckstellen, Entzündungen, Reizungen und ruckzuck knibbelt dein Hund an seinen Fußzehen rum.
Meiner Erfahrung nach sind Booties aus Canvas-Stoff, wie diese hier: (Affiliate-Link/Werbe-Anzeige) https://amzn.to/4o1KSlt vollkommen ausreichend. Sie schützen die Pfoten, erlauben aber ein recht freies Laufen und Bewegen der Zehen, ähnlich Barfußschuhen und sind etwas besser belüftet. Sie passen in jede Tasche für den Notfall und sind auch bei Pfotenverletzungen ideal. Wichtig: das sind Wegwerfprodukte. Nach ca. 100-400 km muss man sie tauschen, weil sie durchgelaufen sind. (So meine Erfahrung).
Im Auto:
Klar, wenn möglich Auto ein bisschen runterkühlen, bevor es losgeht.
Auch hier helfen feuchte Handtücher in die Scheiben geklemmt. Sie sind nicht nur eine Ergänzung oder Ersatz der Klimaanlage, sondern spenden auch Schatten.
Warum ist Schatten trotz Klimaanlage wichtig?
Einen Hitzeschlag bekommen Hunde, wenn ihr Organismus insgesamt überhitzt wird, also beispielsweise in einem aufgeheizten Auto. Das geht sogar erschreckend schnell innerhalb weniger Minuten.
Besonders bei älteren Hunden, brachyzephalen Rassen und Hunden mit Herz- oder Atemwegserkrankungen kann bereits eine vergleichsweise geringe zusätzliche Wärmebelastung problematisch werden.
Ich werde hier kneine Grafiken einfügen, die zeigen sollen, wie schnell sich die Temperatur in einem Auto erhöhen kann. Das hängt von vielen Faktoren ab. Es kann aber wirklich innerhalb von 5 Minuten lebensbedrohlich kritisch werden.
Besonders kritisch ist nicht die Endtemperatur nach einer Stunde, sondern die Geschwindigkeit der Aufheizung. Ein großer Teil des Temperaturanstiegs findet bereits in den ersten 10–20 Minuten statt. Selbst leicht geöffnete Fenster verhindern diese Aufheizung nicht.
Ein Parkplatz im Schatten ist keine Garantie für Sicherheit. Durch den Sonnenstand kann ein zunächst schattiges Fahrzeug bereits kurze Zeit später in der direkten Sonne stehen. Zudem steigen die Temperaturen auch im Schatten deutlich an.
Wir sprechen hier von Außentemperaturen ab ca. 18 Grad und Sonne. So wichtig ich die Aufklärung und Sensibilisierung von Menschen auch außerhalb der Hundebubble für dieses Thema finde, so sehr treibt sie manchmal auch seltsame Blüten. Ich wurde auch schon bei 10 Grad und Nieselregen im Oktober von einer aufgebrachten „Tierschützerin“ zu meinem Auto gerufen, inklusive Polizeieinsatz, da sie den nahenden Erstickungstod meiner Hunde befürchtete. Ich konnte die Situation glücklicherweise aufklären und drei verschlafene und mitnichten irgendwie aufgeheizte oder erstickende Hunde präsentieren, die von dem ganzen Trubel nichts mitbekommen haben.
Was oft vergessen wird: Sonnenstich
Ein Sonnenstich entsteht durch direkte, intensive Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken. Dabei kann es zu einer Reizung der Hirnhäute kommen.
Das kann auch im voll klimiatisierten Auto passieren. Besonders, wenn du im Stau stehst und nicht bemerkst, dass dein Hund zwar gekühlt, aber der vollen Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Das passiert, wenn
- dein Hund über längere Zeit direkt in der Sonne liegt,
- die Sonne durch die Seitenscheibe auf Kopf und Körper scheint,
- insbesondere bei Hunden mit wenig Fell oder heller Haut.
4 wirklich gefährliche Fehler
Hund im Auto lassen
Auch wenige Minuten können kritisch werden.
Fahrradfahren oder Joggen in der Mittagshitze
Das ist wirklich ein Phänomen, welches mich wütend macht: Kaum sind es -für uns- angenehme 25 Grad, sieht man Menschen auf Fahrrädern nebst hechelnden Hunden, die im gestreckten Galopp neben ihren übermotivierten Besitzern her rennen. Meist sieht man schon von Weitem, dass der Hund weder sonderlich bemuskelt noch konditionell gut aufgestellt scheint. Es ist offensichtlich, dass auf solche verblödeten Ideen („Perfektes Wetter, mit meinem Hund mal eine Fahrradtour zu machen“) fast immer genau die Leute kommen, die zu geeigneten Temperaturen bei 5 Grad und Nieselregen höchstens eine Pipirunde absolvieren.
Nicht, dass Sport und Aktivitäten mit Hunden verboten sind, weil Sommer ist. Aber doch bitte nicht ausgerechnet diesen Zeitpunkt wählen, wenn du bislang ein Couchpotatoe warst. Solche Belastungen mutet man, wenn überhaupt, einem gut trainierten, widerstandsfähigen und vorbereiteten Hund zu. Und selbst dann wird man es nach Möglichkeit vermeiden und auf die frühen Morgenstunden verlegen.
Schlecht sitzende Maulkörbe
Maulkörbe, die kein ordentliches Gähnen, Hecheln und Saufen ermöglichen, sind das ganze Jahr über nicht ok und ein Ausdruck von geiziger Ignoranz gegenüber seinem Hund. Im Sommer sollten enge Maulschlaufen, Stoffmaulkörbe (weil das Frauchen damit „irgendwie ein besseres Gefühl hat“), fast komplett zugebaute Biothane Maulkörbe oder einfach nicht passende Maulkörbe zur sofortigen Sicherstellung des Hundes und Anzeige führen.
Hecheln ist die wichtigste Kühlstrategie des Hundes. Hunden genau diese bei Anstrengung, im Sommer oder bei Stress zu nehmen, ist Tierquälerei und kann bei Hitze extrem gefährlich werden.
Hitzschlag-Symptome ignorieren
Warnzeichen sind:
Warnzeichen:
- extremes Hecheln
- rote Schleimhäute
- Taumeln
- Erbrechen
- Apathie
- Kollaps
Das ist ein Notfall.
Übrigens: Einen überhitzten Hund mit kaltem Wasser zu übergießen, kann die Situation verschlimmern und zu einem Kreislaufkollaps führen. Ohne medizinische Überwachung muss ein Hund schrittweise runtergekühlt werden. Beispielsweise mit nassen Handtüchtern.
Gute Sommer-Tipps sind selten pauschal. Hunde unterscheiden sich erheblich darin, wie gut sie mit Wärme zurechtkommen. Statt starrer Regeln hilft meist ein genauer Blick auf den einzelnen Hund, seine körperlichen Voraussetzungen und sein Verhalten. Ich hoffe, dass Alle gut auf ihre Hundis aufpassen 💖
Genießt den Sommer! Trotzdem!