Vorweg: Ich bin keine Tierärztin. Das hier ist keine medizinische Empfehlung, sondern nur das Ergebnis meiner privatpersönlichen Recherchen. Stand: September 2025
Parasitenprohoylaxe. Was ist das eigentlich?
„Wie oft soll ich eigentlich entwurmen?“
„Was gibst du deinem Hund denn gegen Zecken? Und wie oft? Soll das nicht so schwere Nebenwirkungen haben?“
Warum soll man das überhaupt so oft machen? Früher war das auch nicht nötig. Da hat man Zecken einfach gezogen und die Hunde halt nicht mit ins Bett genommen 🤷♀️“
Das solltest du als HalterIn wissen
Wen schützt du damit überhaupt?
Deinen Hund
→ Viele Parasiten verursachen nicht sofort erkennbare Symptome, können aber die Gesundheit deines Hundes schleichend beeinträchtigen – z. B. durch Darmprobleme, Nährstoffmangel oder Entzündungen.Dich selbst und deine Familie
→ Einige Parasiten können vom Hund auf den Menschen übertragen werden (Zoonosen), z. B. Spulwürmer. Besonders gefährdet: Kinder, ältere Menschen, Schwangere.Deine Umwelt
→ Ein infizierter Hund scheidet Millionen Eier aus, die in der Umgebung (z. B. Parks, Gärten, Wanderwege) monatelang infektiös bleiben und andere Tiere (oder Menschen) anstecken können.
Es geht also nicht nur um die individuelle Gesundheit unseres Hundes, sondern auch um das Gemeinwohl. Wer jetzt geneigt ist zu denken: „Mir doch egal“, sollte bedenken: „What goes around comes around“.
Vielleicht scheidet dein Hund jetzt (gerade fit und mit starken Immunsystem) massenweise Wurmeier aus und bleibt von weiteren Symptomen frei. Möglicherweise leidet er aber in höherem Alter unter der Parasitenlast in eurer Gegend, zu der du selbst Jahre zuvor mit beigetragen hast.
Ein Faktor, den ich vor meiner Recherche ehrlicherweise auch nicht so ganz mitgedacht hatte.
Monatliche Prophylaxe?
Die Tiermedizin empfiehlt:
monatliche Entwurmung gegen Würmer
ganzjährige Schutzbehandlung gegen Zecken, Flöhe & Co.
Die ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) veröffentlicht umfassende, regionalspezifische Empfehlungen für Endo- und Ektoparasitenbekämpfung bei Haustieren. Seit dem 11. Juni 2025 gibt es neue Leitlinien, mit Fokus auf individuelle, risikobasierte Entwurmungspläne.
Zusätzlich wurde im Mai 2025 eine neue Richtlinie zur Parasitenkontrolle bei reisenden/importierten Tieren veröffentlicht.
📆 Warum wird oft eine engmaschige Behandlung empfohlen?
Viele Hunde in Deutschland haben ein erhöhtes Risiko, z. B. durch Freigang, Kontakt zu Kindern, rohes Futter, Reisen oder Tierkontakte.
Je enger das Behandlungsintervall, desto besser lassen sich Infektionen verhindern, bevor dein Hund (oder andere) Schaden nehmen.
⚠️ Was kann passieren, wenn zu selten behandelt wird?
Unbemerkt infizierte Hunde können:
dauerhaft Würmer in sich tragen
Eier und Larven ausscheiden
langfristig gesundheitlich belastet sein
Eine einmalige Behandlung heilt nicht rückwirkend – die Schäden (z. B. durch Toxocara oder Giardien) sind dann schon passiert.
Auch die Umwelt bleibt belastet – besonders, wenn viele Hunde zu selten behandelt werden.
💩 Und was ist mit Kotproben – reicht das nicht?
Kotproben können sinnvoll sein, um gezielt zu testen, ob ein Hund aktuell befallen ist.
Aber: Nicht alle Parasiten werden zuverlässig nachgewiesen.
→ Giardien und manche Wurmarten werden z. B. nicht jeden Tag ausgeschieden. Kotproben sind als Ausschlussverfahren, nach dem Motto „Mein Hund ist parasitenfrei“ vollkommen witzlos und unzuverlässig.
Ein negatives Testergebnis heißt also nicht automatisch „parasitenfrei“ – es kann schlicht zur falschen Zeit getestet worden sein.
Und selbst wenn ein Befall festgestellt wird, ist es zu spät für echte Prävention, denn der Hund hat sich bereits infiziert.
Das Einzige, was dir positive Kotproben also sagen können:
(Positiv bedeutet: Es wurde irgendwas gefunden, z.B. Wurmeier)
Dein Hund hat Parasit XY (der gefunden wurde).
Aber eine negative Kotprobe (es wurde nichts gefunden), kann eben auch bedeuten: Dein Hund ist mit Parasiten befallen, es wurde nur zufällig nix in der winzigen „Stichprobe“ gefunden.
Auch das Kackesammeln über mehrere Tage und Häufchen hilft da nix.
Zusammengefasste Gründe für die Empfehlung, Hunde in Deutschland monatlich zu entwurmen:
🧍♂️ Schutz der menschlichen Gesundheit (Zoonosenprävention)
Viele Hundeparasiten sind Zoonosen – d. h. sie können auf den Menschen übertragen werden.
Spulwürmer (Toxocara canis) z. B. führen beim Menschen zu Viszeralen Larva Migrans oder Augenproblemen.
Studien zeigen: Schon ein einmaliger Parasitenbefall kann infektiöse Eier in der Umwelt hinterlassen.
→ Monatliche Entwurmung verringert die Ausscheidung von Eiern und damit die Gefahr für den Menschen.
🐕 Schutz der Hundegesundheit
Viele Endo- und Ektoparasiten lösen nicht sofort akute Symptome aus – sie können jedoch still die Darmflora, das Immunsystem oder das Blutbild beeinflussen.
Chronische Infektionen (z. B. durch Giardien oder Hakenwürmer) führen oft zu:
Gewichtsverlust, stumpfem Fell, Durchfall, Unwohlsein, Immunschwäche.
→ Prophylaxe schützt vor subklinischen Verläufen, die Hund (oder HalterIn) lange belasten können.
🌱 Umweltschutz & Hygiene
Ein infizierter Hund scheidet Millionen Eier aus → diese bleiben monatelang infektiös in der Umwelt (z. B. Parks, Spielplätze, Gärten).
Eine Studie in Belgien zeigte: In städtischen Parks waren über 60 % der untersuchten Bodenproben mit Toxocara-Eiern kontaminiert.
→ Regelmäßige Behandlung senkt den Infektionsdruck in der Umwelt.
🌍 Reise- & Importschutz (Tierschutz, Urlaubshunde)
Hunde, die nach Deutschland einreisen oder mit in den Urlaub genommen werden, können gefährliche, neue Parasiten eintragen:
Dirofilaria (Herzwurm)
Leishmanien (über Sandmücken)
Diese Parasiten breiten sich durch Klimawandel zunehmend auch nach Mitteleuropa aus.
→ Prophylaxe wirkt auch als Barriere für Parasiten-Einschleppung.
Quelle: Empfehlungen esccap Auslandshunde
Aaaaaber: ⚠️ Risiken und Kritik (Contra)
Ich finde es nicht sonderlich abwegig sich zu fragen, welche Nebenwirkungen die so häufige Gabe von Wirkstoffen nach sich ziehen kann. Außerdem fehlt mir bei den obigen Punkten auch der Faktor „Umweltschutz“. Also ja: Wir denken Risikogruppen mit und behandeln unsere Hunde deshalb gerne häufiger prophylaktisch. Aber was ist mit Gewässern und den Auswirkungen auf die Natur?
Immerhin wissen wir ja mittlerweile alle, dass Sonnecremerückstände unsere Badeseen belasten. Was richten dann möglicherweise Spot-ons oder die Ausscheidungen unserer Hunde an?
Deshalb habe ich auch diese Seite beleuchtet.
Erstmal habe ich mich gefragt: Ist Parasitenprophylaxe für unsere Hunde Schutz und Schaden zugleich?
Kritische Betrachtung der Langzeitsicherheit & Nebenwirkungen antiparasitärer Mittel. Langzeitstudien und Beobachtungen
Credelio Plus (Oral-Kombi gegen Endo- und Ektoparasiten):
Monatliche Gabe zeigte weite Sicherheitsspanne, auch bei hoher Dosierung bei Welpen und Hunden.
Isoxazoline-Gruppe (z. B. Fluralaner, Afoxolaner – in Bravecto®, Nexgard®):
Einerseits sehr effektiv gegen Flöhe/Zecken, mit guter Wirkdauer, andererseits zeigen Berichte neurologische Nebenwirkungen (Tremor, Ataxie, Krampfanfälle), wenn auch sehr selten (< 0,1 – 1 % der Fälle).
Quelle: Afoxolaner
Alle gängigen Wirkstoffe weisen höhere Toxizität gegenüber Wirbellosen als gegenüber Säugetieren auf. Was bedeutet das?
Umweltbelastung durch gängige Wirkstoffe, die unsere Hunde vor Parasiten schützen
1. Milbemycin-Oxime, Moxidectin, Ivermectin (Makrozyklische Laktone)
Einsatz: Gegen Würmer, teilweise gegen Herzwürmer und Milben.
Umweltwirkung: Werden über den Kot ausgeschieden → sehr giftig für Mistkäfer, Dungfliegen und andere Insekten, die Kot zersetzen.
Folge: Weniger Insekten = weniger Nahrung für Vögel, Fledermäuse usw.
Besonderheit: In manchen Ländern gibt es schon Warnungen, Kot nach Entwurmung nicht liegen zu lassen.
2. Lotilaner, Afoxolaner, Fluralaner, Sarolaner (Isoxazoline)
Einsatz: Gegen Flöhe und Zecken (Tabletten wie Credelio®, Bravecto®, NexGard®).
Umweltwirkung: Wirken als Insektizid → potenziell gefährlich für Insekten und Bodenorganismen, wenn sie in die Umwelt gelangen.
Kot/Urinausscheidung: Geringer als bei Wurmmitteln, aber nicht null.
Besonderheit: In der Umwelt können sie Bienen und bodenlebende Insekten beeinträchtigen.
3. Fipronil (z. B. Frontline® Spot-on)
Einsatz: Gegen Flöhe und Zecken, wird auf die Haut geträufelt.
Umweltwirkung: Hochgiftig für Wasserorganismen. Gelangt über gewaschene Decken, Schwimmen im Wasser oder Abwasch ins Abwasser → kann Wasserinsekten und Fische schädigen.
Besonderheit: In England ist Fipronil im Oberflächenwasser nachweisbar, vermutlich durch Haustier-Anwendung.
4. Imidacloprid (Neonicotinoid, z. B. Advantage®)
Einsatz: Gegen Flöhe.
Umweltwirkung: Extrem giftig für Bienen und andere Bestäuber. Überträgt sich auf die Umwelt, wenn behandelte Hunde Kontakt mit Wasser haben oder wenn Reste in den Abfluss gelangen.
5. Selamectin (z. B. Stronghold® Spot-on)
Einsatz: Gegen Flöhe, Milben, bestimmte Würmer.
Umweltwirkung: Wie Milbemycin → über den Kot ausgeschieden, schädigt Dunginsekten.
Parasitenmittel schützen deinen Hund, aber sie sind immer auch Pestizide.
Das heißt: Sie können Mistkäfer, Fliegen, Bienen und Wasserorganismen schädigen, wenn Rückstände in die Umwelt gelangen.
👉 Je bewusster du damit umgehst (Kot entsorgen, Mittel gezielt einsetzen, Reste korrekt abgeben und entsorgen lassen), desto mehr schützt du nicht nur deinen Hund, sondern auch die Umwelt.
⚠️ Risiken und Kritik (Contra)
Es gibt durchaus berechtigte Gründe gegen eine sehr engmaschige, wohlgemerkt immer noch, prophylaktische Behandlung gegen Parasiten verschiedenster Art.
Nebenwirkungen beim Hund
Seltene, aber dokumentierte Fälle bei Isoxazolinen:
Neurologische Symptome (Zittern, Ataxie, Krampfanfälle).
Tritt in < 1 % der Anwendungen auf, wird aber zunehmend beobachtet.
Empfindliche Hunde (z. B. mit neurologischen Vorerkrankungen) sollten vorsichtig behandelt werden.
Seltene, aber dokumentierte Fälle bei Isoxazolinen:
Neurologische Symptome (Zittern, Ataxie, Krampfanfälle).
Tritt in < 1 % der Anwendungen auf, wird aber zunehmend beobachtet.
Empfindliche Hunde (z. B. mit neurologischen Vorerkrankungen) sollten vorsichtig behandelt werden.
Fehlende Langzeitstudien beim Hund
Kurz- und mittelfristige Sicherheit ist durch Studien gut belegt.
Lebenslange, monatliche Gabe (über viele Jahre hinweg) ist bisher nicht umfassend untersucht.
Tierärzt:innen berichten zwar überwiegend von guter Verträglichkeit, betonen aber auch die Notwendigkeit einer individuellen Risikoabwägung.
Überbehandlung & Resistenz
Analog zu Antibiotika: Häufige, routinemäßige Gabe kann die Entwicklung von Resistenzen bei Parasiten fördern.
Erste Hinweise auf Resistenzen gegen bestimmte Entwurmungsmittel liegen bereits vor.
Umweltfolgen
Fipronil und Imidacloprid (häufig in Spot-ons):
- Nachweislich hochgiftig für Wasserinsekten, Amphibien und aquatische Ökosysteme.
- Rückstände können wochenlang auf Tierfell und menschlicher Haut nachweisbar sein.
- Untersuchungen in Großbritannien: In Flüssen wurde ein starker Zusammenhang zwischen Haustierbehandlungen und Insektizidbelastungen im Wasser festgestellt.
- Kritik von Umweltschutzorganisationen und Tierärzt:innen: Präparate werden teils „auf Vorrat“ angewendet, ohne echte Risikoabwägung.
Hinweis zur Transparenz:
In meinen Blogartikeln findest du immer eine gründliche Recherche und Links zu verschiedenen Quellen.
Da in tierärztlichen Praxen meist die Empfehlungen des ESCAAP weiter gegeben werden, möchte ich dazu etwas anmerken:
Es handelt sich um ein Fachnetzwerk, das wertvolle Leitlinien zur Parasitenprophylaxe erstellt, seine Arbeit jedoch überwiegend durch Sponsoren aus der Tierarzneimittel- und Diagnostikindustrie finanziert. Diese Firmen dürfen Leitlinien vor Veröffentlichung kommentieren, auch wenn sie offiziell keinen Einfluss auf die Inhalte haben. Ein möglicher Interessenkonflikt ist also nicht auszuschließen.
Eine kleine Übersicht:
| Die wichtigsten Punkte | Was ist damit gemeint? | ➡️ Kurz erklärt & Infolinks |
|---|---|---|
| Warum Parasitenprophylaxe wichtig ist | Schutz von Hund (Gesundheit), Mensch (Zoonosen), Umwelt (weniger Belastung), Reisen (Verhinderung von Einschleppung neuer Parasiten). | Regelmäßige Prophylaxe verhindert Infektionen, schützt die Familie und senkt das Risiko, gefährliche Parasiten weiter zu verbreiten. |
| Umweltbelastung durch Parasitenprophylaxe | Wirkung auf Wasserorganismen, Forschungsbedarf besonders für Impakt auf Wirbellose. | PMC: Environmental risks of parasiticides in pets Environmental pollution from pet parasiticides ➡️ Manche gängigen Floh- und Wurmmittel können Flüsse und Insektenpopulationen belasten – die Forschung zeigt, dass diese Umweltfolgen ernst genommen werden müssen. |
| Alternativen & Diagnostik | CAPC betont differenzierte, individuelle Intervalle statt pauschale Jahresprophylaxe | CAPC General Guidelines ➡️ Nicht jeder Hund braucht die gleiche Behandlungshäufigkeit In den USA wird stärker auf individuelle Diagnostik und maßgeschneiderte Pläne gesetzt. |
| Resistenz & Nachhaltigkeit | Warnung vor Resistenzentwicklung, umweltfreundlichere Kontrollmethoden gefordert | Frontiers in Parasitology: Anthelmintic resistance and sustainable control ➡️ Ähnlich wie bei Antibiotika können Parasiten Resistenzen entwickeln – deshalb fordern Fachleute mehr Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Strategien. |
| Nicht erforschte Langzeitrisiken | Bisher fehlen Studien zur lebenslangen, monatlichen Anwendung über viele Jahre; mögliche kumulative Effekte oder seltene Nebenwirkungen sind unklar | ➡️ Kurz- und mittelfristige Sicherheit ist gut belegt, aber für eine jahrzehntelange Daueranwendung gibt es bislang kaum Forschung – mögliche Risiken können also nicht ausgeschlossen werden. |
| To Do’s für dich! | Setze auf individuelle und situationsabhängige Beratung und eine gesunde Mischung aus Prophylaxe, Pflege, Ernährung, Hygiene und gründlicher Dianostik bei Symptomen. | ➡️ Sammle Kacke IMMER ein, lass deinen Hund nicht in Gewässer hoppsen, insbesondere nach Spot-on-Behandlung. Informiere dich immer kritisch über die jeweilige Wirkweise und Wirkstoffe des Präparates, welches dein Hund bekommen soll. |
Und weil das Alles ganz schön viel war, habe ich dir eine kleine Checkliste erstellt, mit den wichtigsten Fragen, die ich mir stelle, wenn es darum geht: „Parasitenprophylaxe Ja oder Nein und wenn ja wie viel?“.
Meine persönliche Meinung hat sich in den letzten Jahren verändert. Vor 20 Jahren war ich wirklich nachlässig, was Wurmkuren oder auch Zeckenschutz angeht. Sowohl bei mir als auch bei meinem Hund. Mittlerweile bin ich diesbzüglich etwas sorgfältiger, wäge aber dennoch jedes mal individuell ab, nerve die Tierärztin meines Vertrauens mit Fragen und meist finden wir dann für die kommenden Wochen oder Monate eine gute Lösung für jeden einzelnen Hund. Das ist ein bisschen aufwendiger, da das ganze Für und Wider jedes mal von vorne losgeht, aber für mich die beste Lösung.